Musikkapelle Kall 1954 e.V.

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Vereinsgeschichte

 

Die Musikkapelle Kall besteht seit rund 65 Jahren. Da liegt an dieser Stelle die Frage nach den Anfängen auf der Hand. Wie kam es zur Gründung der Musikkapelle Kall, welche Probleme gab es dabei und wie veränderte sich der Verein im Laufe der Jahrzehnte? Dies können Sie auf dieser Seite in einer Zusammenfassung der Historie der Musikkapelle Kall erfahren.      

 

Bis 1954 gab es in Kall keinen eigenen Musikverein. Wenn bei Festen Musik benötigt wurde, beispielsweise an Kirmes, so kamen Musiker von auswärts, alle anderen musikalischen Darbietungen übernahm der Männergesangverein Kall. Einige Musikinteressierte aus Kall fanden schließlich, es sei Zeit, auch in Kall endlich eine eigene Blasmusikformation auf die Beine zu stellen, wenn sogar viele kleinere Orte schon eigene Musikvereine gegründet hatten.

Man sprach daraufhin den damaligen Vorsitzenden des Männergesangsvereins, Hermann Wollenweber an, der Gefallen an der Idee der Gründung einer Musikkapelle an Kall fand. Der Männergesangsverein (MGV) begann fortan damit, die Kaller Bevölkerung über das anstehende Vorhaben zu informieren und bat gleichzeitig um Hilfe. Denn es sollte sich als gar nicht so einfach erweisen, eine "Musik" auf die Beine zu stellen. Interessenten fanden sich genug, doch konnten nur wenige ein Instrument spielen, eine noch geringere Anzahl an Leuten besaß ein eigenes Instrument. Wo und unter wessen Leitung sollte geprobt werden? Würde ein Musikverein von der Bevölkerung positiv aufgenommen werden?

Diese und andere Probleme standen zunächst im Vordergrund. In einem Rundschreiben an die Kaller Bevölkerung schilderte der MGV die Probleme der Vereinsgründung und rief gleichzeitig zur Unterstützung des Vorhabens auf. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Schon bald hatte man 20 Musikanten beisammen, die sich im ersten Probelokal an der alten Bahnmeisterei - auf diese Lokalität hatte Matthias Reul, selbst „Bahner“, hingewiesen - auf die ersten gemeinsamen Auftritte vorbereiteten. Dies waren die Fronleichnamsprozession, die Friedhofsgänge zu Allerheiligen und St. Martin. Da immer noch nicht ausreichend Instrumente vorhanden waren, rief der MGV erneut die Kaller Bevölkerung auf, durch finanzielle Mittel zu helfen.

Neben den Problemen bei der Anschaffung entsprechender Instrumente war auch das Zusammenspiel der Musiker selbst anfangs nicht ganz einfach. Es gab große Unterschiede im Können der Musikanten, die Willi Mies, der erste Dirigent der Musikkapelle Kall, auszumerzen versuchte. Doch schon Mitte des Jahres 1955 sahen sich Willi Mies und Hermann Wollenweber dazu gezwungen wegen der mangelnden Probenteilnahme eine Versammlung der Mitglieder des Musikvereins einzuberufen, um an eine etwas eifrigere Einstellung zu appellieren, was schließlich seine Wirkung auch nicht verfehlte.

 


War man zu Beginn froh, genügend Musikanten sowie Instrumente beisammen zu haben, um einen Auftritt spielen zu können, kam in der ersten Hälfte der 60er-Jahre die Frage nach einer einheitlichen Uniform auf, um bei den Auftritten auch optisch als Verein dazustehen, da sich auch die Einsätze häuften, bei denen dies gefragt war. Ob Geburtstagsständchen, Goldhochzeiten, Schützenfeste, Kirmes, Beerdigungen, Kirchenfeste oder Maifeierlichkeiten, die Musikkapelle spielte mittlerweile alles. Doch immer dasselbe doch recht bunte Bild. Dunkle Hose hier, blaue Socken da, helle Hose dort. Nachdem man genügend darüber diskutiert hatte, was alles zur Uniform dazu gehören sollte, wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Der Kaller Schneider Paul Krause fertigte und maß die blauen Uniformjacken (welche es bis heute noch gibt!) an, die Uniformkappen wurden bei einem Kappenmacher in Heimbach in Auftrag gegeben. Neben der Uniformjacke und der "Kapp" zogen die Musiker bei den Auftritten fortan weiße Hemden und schwarze Hosen sowie eine Krawatte (zunächst rot, später silbergrau) an. Am 31. Januar 1962 stellte Hermann Wollenweber an die Gemeindeverwaltung z. Hd. des Herrn Amtsdirektors „Antrag auf Genehmigung zur Tragung des Gemeindewappens auf der Uniform“. Diesem Antrag wurde durch Schreiben vom 7. Februar 1962 stattgegeben, weil (Zitat) „sich die Gemeindevertretung ihrem obigen Antrag entsprechend mit dem Tragen des Gemeindewappens auf der Uniform der Musikkapelle einverstanden erklärt hat“. Unterzeichnet war diese Antwort von Amtsdirektor Sistig. Ein von der Gemeinde entliehenes original Wappenzeichen war bereits Anfang Dezember 1961 an die Bonner Fahnenfabrik eingeschickt worden mit der Bitte um ein Angebot über 25 bis 30 Stück Uniformabzeichen. Erst in den 80er-Jahren bekamen die Musiker der Musikkapelle Kall mit der ebenfalls heute noch existierenden grauen Weste ein weiteres Kleidungsstück, welches zur Uniform gehörte. Diese Anschaffung war die Folge von einigen schweißtreibenden Auftritten im Sommer in der aus Schafswolle bestehenden Jacke.

Bis zum Jahr 1963 steigerte sich die Anzahl der Auftritte der Kaller Musiker auf etwa 30, trotzdem unterstand man immer noch dem Männergesangverein Kall, was nicht selten zu internen Spannungen führte. Und, wie es halt so ist, reicht manchmal nur ein Tropfen aus, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. So kam es, dass der Vorstand des MGV den Musikverein hart kritisierte, nachdem bei einem Auftritt keine 10 Leute spielbereit anwesend waren. Schließlich zog die Musikkapelle ihre Konsequenzen aus Differenzen solcher Art. (Zitat) "Für alle Fälle, die beide Vereine betreffen, ist der gesamte Vorstand zuständig. Für alle Anlässe, die nur die Musikkapelle allein betreffen, beschließt ab sofort der interne Vorstand der Musikkapelle". Unterzeichnet ist dieser Beschluss vom Vorstand der Musikkapelle Kall: Willi Mies, Hermann Abel, Heinrich Diblik, Joachim Griwenka und Rudolf Ohnrich. So waren aus einem Verein mit zwei Abteilungen zwei selbständige Vereine geworden. Und die nun eigenständige Musikkapelle konnte in eigener Regie schalten und walten und ihre Einsätze nach eigenem Ermessen planen. Angedeutet hatte sich - vielleicht unbewusst - die Trennung im Juni 1963 anlässlich eines Ausfluges des MGV und der MKK nach Schwammenauel. Einer Gesamtaufnahme beider Vereinsgruppen folgte ein Einzelfoto der Musikanten.

 


Die Vereinstrennung war vollzogen, jedoch ausdrücklich mit der Feststellung (Zitat): „...alle Mitglieder der Musikkapelle bestätigen einstimmig: das gute freundschaftliche Verhältnis zwischen allen Mitgliedern des Männergesangvereins und der Musikkapelle bleibt nach wie vor bestehen." Besonders Dirigent Willi Mies setzte alles daran, dieses gute Verhältnis aufrechtzuerhalten, denn beide Vereine hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Musik in Kall mit Instrument und Stimme zu vertreten und so einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben des Ortes zu leisten.

Die Gründung, der Fortschritt und der Wandel der Musikkapelle Kall von ihrer Gründung 1954 bis in die Gegenwart sind den jeweiligen Vorsitzenden, aber hauptsächlich auch den Dirigenten zu verdanken. Letztere haben die Musikkapelle in vielen Stunden mühsamer Probenarbeit musikalisch weiterentwickelt

 

Besondere Anerkennung verdient der Dirigent der ersten Jahre, der spätere (inzwischen verstorbene) Ehrendirigent Willi Mies. Viele Wochen und Monate hat er im Anfang fast jeden Abend in der Woche mit den Musikanten geprobt – teils mit einzelnen Instrumentalisten, teils mit mehreren Registern, teils mit allen. In seinen Händen lag die Bewältigung großer Aufgaben und Probleme: Werbung um aktive Mitglieder, Beschaffung von Noten und Instrumenten, Auswahl der Stücke, Sorge um Probeteilnahme, Schlichtung von Differenzen, Organisation der   Auftritte und dergleichen mehr.

Auf diesen Grundlagen konnten dann die nachfolgenden Dirigenten aufbauen. Hans Peter Schiffer – von der Musikkapelle Hecken kommend – war auch zugleich Dirigent des Musikvereins Keldenich. Joachim Griwenka legte mehr den Schwerpunkt auf volkstümliche Musik und Liedgut. Eckart Auer übernahm 1989 in schwieriger Zeit und mit großem Engagement sowie hervorragendem Können die Leitung und brachte auch eine moderne Note ins Repertoire ein. Ehrendirigent Eckart Auer lebt seit einigen Jahren im Allgäu, weshalb er nicht mehr regelmäßig mit der Kaller Kapelle Musik macht - die Verbundenheit und Freundschaft zu ihm besteht aber nach wie vor.                  

Auer war es auch, der ein Eigengewächs der Musikkapelle Kall am Dirigentenpult anlernte: Friedhelm Schorn. Er trat 1989 bereits mit 17 Jahren als Dirigent der Musikkapelle Kall auf – und blieb es 23 Jahre lang. Ein Glücksgriff für die Musikkapelle Kall, denn der studierte Musiklehrer Schorn, der in Köln als Musiklehrer an einer Förderschule arbeitet, brachte die Kapelle musikalisch weit voran. Ihm gelang es vor allem, auch den vielen jungen Musikern durch Auswahl moderner Stücke gerecht zu werden, indem er Konzertstücke moderner Komponisten mit in den Spielplan einbezog. Im Anschluss an das Jahreskonzert 2012 gab Friedhelm Schorn auf eigenen Wunsch den Taktstock ab.        

Seit Januar 2013 ist Peter Blum aus Nideggen-Berg neuer Dirigent der Musikkapelle Kall. Er macht nicht nur in seiner Freizeit gerne Musik, sondern auch beruflich: als Trompeter bei der Big Band der Bundeswehr. Auch unter Peter Blum blieb das stets im Dezember stattfindende Konzert der Musikkapelle in der Bürgerhalle in Kall der musikalische Jahreshöhepunkt. In den vergangenen Jahren waren die Konzerte jeweils an einem musikalischen Thema ausgerichtet: Die Musiker spielten beispielsweise nur Stücke deutscher Komponisten, ausschließlich Musik aus Filmen und Musicals oder nur kölsche und rheinische Melodien.


Die Reihe der Vorsitzenden begann mit Willi Mies und führte dann zu Horst Klinkhammer, der die Aufgabe des Vorsitzenden mehr als 20 Jahre übernommen hat. Der heutige Ehrenvorsitzende legte auch großen Wert auf die Gemeinschaft in der Musikkapelle Kall und initiierte mit seinem Vorstand regelmäßige Touren der Musiker und ihrer Familien.

Aktueller Vorsitzender der Musikkapelle Kall ist seit vielen Jahren Stefan Reinders, der nun dafür verantwortlich ist, das Vereinsleben und Auftritte zu organisieren, die Musiker zu koordinieren und vieles zu planen. Zur Seite stehen ihm die anderen Vorstandsmitglieder, ohne die die vielen anfallenden Aufgaben nicht zu bewältigen wären.

 

Eine der wichtigsten Aufgaben in den vergangenen Jahren besteht – wie in vielen Vereinen – darin, musikalischen Nachwuchs auszubilden und Jugendliche an den Verein zu binden. Die Musikkapelle hat das Glück, dass erfahrene und jüngere Musiker eine gute Mischung bilden und gut miteinander harmonieren. In den 1990er-Jahren übernahm nach Joachim Griwenka einige Jahre lang der damalige Posaunist Udo Koch die wichtige Rolle des Jugendausbilders. Jede Woche standen dann 2 Proben pro Woche in seinem Terminplan: neben der normalen Freitagsprobe auch die Dienstagsprobe mit den jugendlichen Anfängern. Viele seiner damaligen "Schützlinge" sind mittlerweile fester Bestandteil des Vereins.

Natürlich kommt es auch vor, dass Jugendliche wieder mit der Musik aufhören. Entweder, weil sie neue Interessen entdecken oder weil Schule und Ausbildung wichtiger sind. Daher wird es auch in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben sein, die Jugend an den Verein zu binden und neue Kinder an Instrumenten auszubilden. Das Letztere erweist sich als gar nicht so einfach, da es natürlich zeitaufwendig ist, Stücke herauszusuchen und mit den Jugendlichen allein zu proben. Eine separate Jugendprobe gibt es daher derzeit nicht – auch im Kreis der erfahrenen Musiker aber werden stets mehrere junge Musiker an das gemeinsame Musizieren im Orchester der Musikkapelle Kall herangeführt. Zudem haben sich gerade in den vergangenen Jahren auch immer wieder erwachsene Musiker der Musikkapelle Kall angeschlossen.

Wenn Ihnen dieser geschichtliche Überblick über die Musikkapelle Kall gefallen hat, teilen Sie es uns bitte per Email mit. Dann wird es in Kürze weitere Informationen und kleine Episoden aus der Historie des Vereins geben.

Stand: 19.02.2019